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Honsfeld - 60 Jahre nach der Ardennenoffensive ...

Jugend erforscht Geschichte
“Der Krieg und seine Folgen”

Der Beitrag der Schülerinnen und Schüler
des 5. und 6. Schuljahres der Gemeindeschule Honsfeld

Was damals hier geschah

Am frühen Morgen des 17. Dezembers dringt die 1. SS Panzerdivision mit aufgesessenen Fallschirmjägern von Buchholz ( Lanzerath) kommend in unser Dorf ein.

Zu diesem Zeitpunkt sind noch Amerikaner auf ihren Lastwagen, gepanzerten Fahrzeugen und Jeeps auf dem Rückzug aus Holzheim und den Wäldern vom „Biert“ (zwischen Hünningen und Losheimergraben) . Diese motorisierten Kolonnen, die Richtung Norden (Büllingen) und Nordwesten unterwegs waren benutzten‚ Katzenaugen (schmale Tarnscheinwerfer). Sie wurden häufig von einem Soldaten geführt, der mit einer Taschenlampe vorausging.

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Das Haus "Spelzen" heute (Foto: SZ, 2004)

In den Häusern und besonders im Saal des Ortes, dem damaligen „Erholungs-Camp Maxley“ schliefen noch viele GI’s ahnungslos, da sie den Feind nicht schon hier im Ort erwarteten.

Die amerikanische Führung, die von Lanzerath und Buchholz indessen Bescheid bekommen hatte, schickte von Büllingen aus ein Panzerjägerbataillon nach Honsfeld. Aber auch diese Männer waren sich der Schnelligkeit des deutschen Angriffes an diesem Frühmorgen nicht bewusst.

Unbemerkt fuhren die deutschen Panzer in der Dunkelheit innerhalb der amerikanischen Kolonnen bis ins Dorfzentrum. Auf der Gegenseite stand die amerikanische Panzerabwehrdivision in Ruhestellung. Es kommt zu einem kurzen heftigen Gefecht.

Der Befehlsstand der amerikanischen Truppen war überrascht worden und fast kampflos mussten sie aufgeben. Zwei Captains ( Hauptmänner) und mehrere Oberleutnants werden von den Deutschen gefangen genommen. Unterdessen durchkämmen die deutschen Fallschirmjäger den Ort. Sie machen reiche Beute an Menschen, Material und Verpflegung.

Besonders im Saal werden viele Gefangene gemacht; Vor dem Haus „ Spelzen“ werden mehrere Fahrzeuge und Haubitzen erobert. Hier an der Kreuzung „Am Borren“ kommt es auch zu einem kurzen heftigen Gefecht mit den diese wichtige Kreuzung nach Heppenbach und Büllingen verteidigenden Soldaten der
99. US- Division. Viele ahnungslose US- Soldaten werden aus dem Schlaf gerissen und aus den Häusern getrieben, wobei es vermutlich beim Haus Krütz zu einem schlimmen Vorfall kam, als die gesamte Besatzung des Hauses vor der Milchküche erschossen wurde. (siehe Zeitzeugenaussage von André Schroeder , der hierzu beim Dachauprozess 1946 aussagen musste).

Aber auch auf der Gegenseite soll es zu schlimmen Vergehen gekommen sein. Als es hell wird, gegen 8 Uhr beginnen heftige Gefechte, die auf beiden Seiten viele Opfer fordern. Überall sitzen amerikanische Scharfschützen. Sie schossen auf alles was sich bewegte. So soll unweit der Kreuzung auch ein Scharfschütze von einem Baum aus auf die Sanitäter geschossen haben, die deutlich zu erkennen waren.

Mit diesen Scharfschützen ging man bei Gefangennahme auch gnadenlos um, zwei von ihnen sollen vor der Friedhofsmauer hingerichtet worden sein.

Zeitzeugen sagen aus

Zu den Geschehnissen, besonders beim Haus Krütz, erzählte uns Herr André Schroeder folgendes:

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Die Kreuzung "Am Borren" heute (Foto: SZ, 2004)

Ich war damals 16 Jahre und wurde bei der Evakuierung am 5. Oktober dem damaligen Ortsvorsteher August Fickers, der bei „ Scheffes“ wohnte, als Gehilfe zur Versorgung (Füttern, Melken....) des Viehs zugeteilt. Zu Beginn waren wir nur zu 6 Mann, nach 14 Tagen durften aber einige Erwachsene von Malmedy zurückkommen. Ich wohnte damals bei „Scheffes“. Wir bemerkten beim Beschuss am 16. Dezember zwar, dass die Amerikaner nervös wurden und auch viele Truppenbewegungen, besonders am Abend und in der Nacht zum 17. Dezember. Wir waren aber alle erstaunt und nur wenig erfreut, als wir an jenem Sonntagmorgen die deutschen Panzer und Soldaten in unserem Dorf sahen.

Morgens beim Frühstück , als wir den Deutschen Kaffee schütteten ,bekam ich dann eine heftige Diskussion zwischen zwei Soldaten mit. Ein junger SS- Soldat brüstete sich , dass sie bei einem Haus am Dorfausgang die Amis aus den Federn geworfen und an die Wand gestellt hätten. Der andere deutsche Soldat war mit diesem Vorgehen nicht einverstanden.

Am Nachmittag, als die Gefechte sich beruhigten, ging ich dann meinen Stalldienst machen. Zuerst erschrak ich über die Toten, die auf dem Weg beim Borren lagen. Als ich bei Krütz in den Stall wollte , sah ich vor der Milchküche und dem Backes eine Reihe amerikanischer Soldaten liegen. Ich sah , dass es die „ Hausbesetzer“ waren. Ich kannte sie gut, denn an den Vortagen hatten sie mir öfters Schokolade und  Süßigkeiten gegeben. Damit bestätigten sich für mich die Aussagen des jungen deutschen Soldaten. Die Soldaten taten mir sehr leid , aber ich hatte Angst ihnen näher zu treten. Beim Beschuss in den nächsten Tagen ist eine Granate in diesen Totenhaufen gefallen. Einer ist bis auf die Dachspitze des Hauses geflogen. Beim Tauwetter ist er später abgerutscht und in der Dachrinne hängen geblieben. Dort hing er bis Ende Januar oder Anfang Februar.

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Die Haus "Krütz" heute (Foto: SZ, 2004)

Als der Krieg zu Ende war stellten die Amerikaner Nachforschungen an, was damals hier im Dorf geschehen war. Als sie den Dorfvorsteher Herrn Fickers zu den Vorfällen am Haus Krütz befragten, sagte dieser : „ Da müssen Sie diesen Jungen hier befragen, der hat alles mit bekommen.“ So kam es, dass ich zu diesem Geschehen auch beim „Dachau-Prozess“ aussagen musste. Der Prozess bei dem es vor allem um den Umgang der Deutschen mit Gefangenen bei der Ardennenoffensive, aber besonders um die traurigen Ereignisse von Baugnez an diesem 17. Dezember ging, fand im Konzentrationslager statt. Ich wurde vom Friedensrichter Herrn Maurice Heuschen aus Malmedy begleitet, da ich ja noch minderjährig war. Ich weilte 3 Wochen in München und musste etwa 15 Minuten als Zeuge aussagen.
Ich bekam heftiges Heimweh und so kam es, dass Herr Heuschen meine Heimreise durchsetzte. Ich wurde von 2 amerikanischen Soldaten in einem großen amerikanischen Wagen nach Hause gebracht.“
 
Autoren:
Nancy Grün, Christoph Jost, Maik Kessler, Valérie Löfgen,
Manuel Roehl, Marco Schleck, Tobias Schleck, Kerstin Schmitz,

Lehrer: Freddy Michels

Literatur:
„Stoßkeil durch die Nordeifel“, Hans Wijers
„Kriegsschicksale 1944-45“, ZVS St.Vith
„Honsfeld – ein Dorf geht seinen Weg“
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