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Jugend erforscht Geschichte

Handwerk und Berufe im Wandel der Zeit

Beitrag der Schülerinnen und Schüler des 6. Schuljahres der Clara-Viebig-Schule Manderfeld

Ein ehemaliger Hufschmied berichtet aus einem ereignisreichen Leben.

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Herr Scholzen stand unserer Klasse Rede und Antwort

Am 31. Mai 2006 unternahmen wir, die Schüler des 6.Schuljahres der Clara-Viebig Schule Manderfeld, einen Spaziergang nach Merlscheid.
Vor ungefähr 80 Jahren wurde ein Mann geboren, der schon im jugendlichen Alter den Traum hatte, einmal den Beruf des Schmiedes zu ergreifen. Sein Name ist Paul Scholzen.

Er erwartete uns schon vor seiner ehemaligen Schmiede, in der er seinen Beruf nur noch als Hobby ausübt. Herr Scholzen erzählte uns aus seinem bewegten Leben.
Er wurde im Jahre 1926 geboren und besuchte ab dem Alter von 6 Jahren bei Wind und Wetter zu Fuß die Schule in Lanzerath. Damals waren noch 50 bis 60 Schüler in einer Klasse, die von einem Lehrer unterrichtet wurden. Als er dann nach einem langen Schultag nach Hause kam, musste er seinem Vater in der Landwirtschaft helfen.

Während acht Jahren besuchte er die Volksschule. Dann begann am 10.Mai 1940 der Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Belgien.
1942 wollte Paul Scholzen seine Lehre als Hufschmied beginnen, doch sein Vater riet ihm, noch 1-2 Jahre damit zu warten.

Im Jahre 1944 wurden die jungen Männer seines Jahrganges in die Wehrmacht eingezogen. Während des Krieges geriet er im Jahre 1945 am 18. März in amerikanische Gefangenschaft.
7 Monate später wurde er völlig erschöpft und abgemagert in die Freiheit entlassen und sah, dass sein Elternhaus teilweise durch die Ardennenoffensive zerstört worden war.

Dann endlich im Jahre 1946 konnte er die Lehre zum Hufschmied und Stellmacher in Hüllscheid beginnen. 1948 beendete er seine Lehre bei Anton Meyer in Manderfeld, denn sein Meister in Hüllscheid war erkrankt.
Danach arbeitete Paul Scholzen als Geselle in Vielsalm. Aber dort blieb er nicht lange, denn das Busgeld bis dorthin betrug mehr als sein Tageslohn. Anschließend arbeitete Herr Scholzen in Luxemburg, Medell, Malmedy und zuletzt in Heppenbach. Den Weg nach Heppenbach legte er mit dem Fahrrad zurück. Ein Tageslohn in Malmedy für seine Arbeit betrug damals 75 Franken.
Das wären heute ungefähr 2 Euro.
 
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Das Eisen wurde auf ca. 1000° C erhitzt bevor es bearbeitet werden kann.
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1954 konnte er seinen Lebenstraum verwirklichen, denn er errichtete seine eigene Schmiede in Merlscheid. Doch es war auch ein hartes Arbeitsleben, denn er musste von früh am Morgen bis abends spät arbeiten.

In der Schmiede stand ein Schmiedeofen, die Esse. Für das Erhitzen des Eisens benötigt man eine besondere Kohlenart, die Fettkohle. Sie gibt mehr Wärme ab als normale Kohle.

Das Eisen wurde auf ungefähr 900-1000 ° C erhitzt, um es verarbeiten zu können.
Um das Eisen, beispielsweise eine Schlaufe, zu verbiegen, brauchte er einen treuen Helfer, der 200 kg auf die Waage brachte. Es war sein Amboss, der unbefestigt auf dem Boden stand.

Das musste so sein wegen des Klanges beim Schlagen mit dem Schmiedehammer, berichtete Herr Paul Scholzen.
Zum Beschlagen der Pferde und Ochsen, die damals noch eine bedeutende Rolle in der Landwirtschaft einnahmen, befand sich ein hölzerner Notstall in der Schmiede.
Zuerst wurde das Pferd oder der Ochse in den Notstall geführt. Im Gegensatz zu den Pferden brauchten die Ochsen einen Haltegurt, damit sie sich nicht auf den Boden legen konnten, da sie oft sehr müde und erschöpft waren von der schweren Arbeit auf dem Feld.
Nun wurden die Hufe mit dem Hufmesser gesäubert und mit der Hufraspel und der Hauklinge bearbeitet, damit das Hufeisen passte. Zuletzt wurde das erhitzte Hufeisen mit Nägeln, die aus Schweden waren, mit dem Hufhammer am Pferdehuf befestigt. Dabei entstand ein beißender Geruch, der die ganze Schmiede durchdrang. 

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Der Notstall

Alle drei Monate ließen die Bauern alle vier Hufe ihrer Pferde neu beschlagen, bei den Ochsennur die äußeren Vorderhufe.
Im Gegensatz zu der Gegend um Amel gab es in der Umgebung seiner Schmiede mehr Ochsen als Pferde.
Die hölzernen Wagenräder der Karren und Wagen der Nachkriegszeit mussten auch mit Eisenringen überzogen werden.

Andere Arbeiten waren das Herstellen von Kettenverbindungsstücken und Schlaufen, die Anfertigung von Pflugscharen oder das Spitzen der Eisen in den Eggen. Sie wurden erhitzt und wieder spitz geschlagen. Heute würde man eine Trennscheibe benutzen und sie abschleifen.
Um das Jahr 1960 hatte er die erste Trennscheibe gekauft. Nun konnte man das Eisen schnell trennen. Zuvor musste es erhitzt und mit Hilfe eines Meißels durchtrennt werden.
 
Immer neue technische Erfindungen, wie zum Beispiel ein Schweißgerät, veränderten das Leben und die Arbeit in der Schmiede.

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Einige Werkzeuge des Hufschmieds: v.l.: Hufmesser, Nagelzange, Hauklinge, Hufraspel, Hammer, Zange.

In den 60er Jahren gab es die ersten gut befestigten Straßen und immer mehr Traktoren übernahmen die Rolle des Pferdes. Eine Hauptarbeit des Hufschmiedes, das Beschlagen der Pferde, geriet in den Hintergrund.
Immer weniger Pferde mussten beschlagen werden. Stets neue Maschinen erleichterten das Leben der Landwirte in der Landwirtschaft. So veränderte sich auch die Arbeit des Dorfschmiedes.
Trotz seiner 80 Jahre hat Herr Paul Scholzen noch immer Spaß daran, manchmal heftig auf das warme Eisen zu schlagen.

An dieser Arbeit wirkten mit:

Christen Sarah, Heiners Robin, Heiners Jonas, Heinzen Michael, Hoffmann Saskia, Kalfa Julian, Manderfeld Larissa, Mertens Cédric, Meyer Thomas, Möres Marc, Plattes Lisa, Scholzen David, Scholzen Loredana, Schröder Rebecca, Schumacher Fabian, Thomahsen Josef sowie Velz Marius.

Lehrer: H.J Theiss
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